Das Salz hatte als Handelsware für Kolberg seine Bedeutung verloren. 1802 bewilligt der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Gründung der Seebadanstalt in Kolberg. Von den heilenden Kräften der Gewässer, insbesondere des Meerwassers wusste man schon seit langem. Der Zollrat Hans Heinrich v. Held aus Posen verfasste die erste Schrift über das “Meerbad Kolberg” und eine Schilderung über die russischen Belagerungen. Hans Heinrich v. Held war als Sträfling in der Kolberger Festung. Er litt unter verschiedenen Beschwerden. Zahlreiche Meeresbäder, das Meeresklima, Sonne und Schwimmen haben brachten ihn wieder auf die Beine. Erfreut wollte er seine Entdeckung mit anderen teilen und verfasste so dieses Buch. Und so hat es angefangen, Kolberg entwickelte sich zu einem der größten Seebäder an der Nord- und Ostsee. Der preußische- Napoleonische Krieg und die Verteidigung von Kolberg haben für viele Jahre die Entwicklung der Stadt gehemmt. Erst Ende des 19.Jahrhunderts sind erste Sanatorien entstanden, die den Sanatorien von heute in gewissem Maße ähnelten. In die Kurprogramme wurden neue Heilprogramme einbezogen, die sich auf die Eigenschaften des Meeresklimas und der Salzquellen stützten. Man hat die Gesellschaft der Bäder gegründet, die als Beginn der Kurverwaltung betrachtet werden kann.



Die Stadt wurde schöner, man pflanzte den Küstenwald an, Parks und Grünanlagen wurden errichtet. In der Heilkunde hat man nicht nur die Sole, sondern auch das Moor benutzt, dessen Lagerstätten sich auf den umliegenden Wiesen befanden. Die Zuleitung vom Eisenbahnnetz zu den wichtigsten deutschen Städten hatt die Popularität des Badeortes erhöht. Die Kolberger Polizeibehörden handelten, indem sie der immer größer werdenden Popularität der Seebäder entgegenkamen. Die Plätze und die Badezeit wurden bestimmt und aus Sittengründen trennte man die Bäder für Frauen( nur an dem westlichen Teil des Hafens). Für die Männer ( an dem östlichen Teil). Außerdem warnte man vor heimlicher Beobachtung der Badegäste. Die Quellen geben an, dass im Jahre 1857 rund 4125 Kurgäste gezählt wurden und 15 Jahre später schon 10.000.

1852
Dr. Herman Emanuel Hirschfeld (1825-1885), Balneologe, siedelte sich in Kolberg an, der Kolberger Verlag von C.F. Post druckt den ersten Ratgeber für Kurgäste über die Regeln für den Gebrauch der See- und Solbäder, dessen Autor der Arzt aus Kolberg war.

1860
Im Druck erscheint die erste Monografie des See- und Solbads von Kolberg von Dr. Moses Behrend ( “Das Sool- und Seebad Colberg”)

1861
Es entsteht die zweite Solbadeanstalt, mit der Dr. Herman Hirschfeld mehrere Jahre lang verbunden war.

1862
Dr. Gustaw Bauck, Chemiker, bearbeitet die Mineralquellen von Kolberg bezüglich ihrer Tauglichkeit für die Trinkur. Sofort beginnt man mit der Produktion des Mineralwassers von den Werten, die mit den Wassern der anerkannten europäischen Kurorten verglichen waren. Der Teilhaber an der Produktion war der Kaufmann Moritz Meyer, der gleichzeitig die schon dritte Solbadeanstalt in Kolberg gebaut hat. Die Anstalt, abgekauft von dem Badeverein, wurde die “zweite Anstalt von Dr. Behrend” genannt.

1863
Man führt Klimagebühr und Kurarten ein, deren Einnahmen dem Badeverein von Kolberg zugute kommen.

1864
Das Kriegsministerium bestätigt die Übereinkunft zwischen der Kommandantur der Festung und den Stadtbehörden in der Sache der Bewirtschaftung des Küstenstreifens. Hier beginnt die Einrichtung des Seeparks. In den nächsten Jahrzehnten wird ein Grünstreifen von 4km Länge und 100-300m Breite erbaut. Dieser soll zu einer Verbesserung des Klimas von Kolberg führen; zum einen die Milderung der Winde auf der Seite der See, zum anderen die Säuberung der Luft.



1868
Dank dem Verlag von C. F. Post erscheint der erste Prospekt, unter dem Titel “Die Ostsee und die Seebäder ihrer deutschen Küste”, dessen Autor Dr. Girschner ist mit besonderer Berücksichtigung von Kolberg und seiner Umgebung und seiner Sol- und Seebäder. Diese Veröffentlichung bringt den Lesern die Geschichte und medizinische Probleme näher und gibt ferner ausführliche Informationen über Flora, Fauna und geologische und klimatische Beschaffenheit der Region von Kolberg.

1875
Aus den hervorragenden Heilvorzügen von Kolberg ziehen 4.152 Kurgäste ihren Nutzen.

1880
Die vierte Solbadeanstalt wird eröffnet unter dem Namen “Nowy” ( “Die Neue”). Die architektonisch eindrucksvolle und komfortabel eingerichtete Badeanstalt hat 58 Badekabinen und ihre, mit dem Wohnteil verbundene Behandlungsbasis bildet ein Beispiel auf dem Gebiet des Heilkurwesens.

1890
Man verzeichnet den Aufenthalt von ca. 10.000 Kurgästen.



1893
Ein Kindersanatoriums wird eröffnet. Man begann eine neue Richtung der Kurbaehandlung in Kolberg.

1913
Kolberg ist nun ein modernes und bekanntes Ostseebad und man verzeichnet 16.737 Kurgäste; in der der Sommersaison zusätzlich 13.493 Gäste, davon 30% aus Russland, Polen und Schweden.

1915

Infolge des Krieges ist innerhalb von einem Jahr die Zahl der Gäste um mehr als die Hälfte gesunken. 1914 waren es 19.500, 1915 nur 7.750

1945
Die Stadt Kolberg wird von den Hitlerbehörden zur Festung ernannt. Zweiwöchentliche Kämpfe führen zu katastrophalen Verlusten in der Stadtsubstanz und zur fast völligen Vernichtung ihrer Kuranlagen. Die Vernichtung Kolbergs ist der Preis für die Ermöglichung der Flucht von Zehntausenden von Deutschen über den Seeweg.



1946
In Ustronie Morskie entsteht die staatliche polnische Verwaltung der Kurorte von Westpommern. In dem veröffentlichten Prospekt kann man über Kolberg als “Kurort während des Wiederaufbaus” lesen.

1953
Unter Anordnung des Gesundheitsministeriums wird das staatliche Unternehmen “Kuranstalt Kolberg” ins Leben gerufen, dessen Aufgabe es ist, das Kur-, Sanatorium-, und ambulante Heilwesen zu führen, die Naturheilgüter abzubauen und zu verarbeiten, die Wissenschafts- und Forschungsarbeiten an der balneologischen Therapie und Prophylaxe zu führen und außerhalb des Kurorts zu popularisieren.


1966

Am 5.11. wird die moderne Naturheilanstalt Nr.1PP “Kurort Kolberg” festlich eröffnet.

1969
Das Branchenzentrum der Kurtherapie wird ins Leben gerufen zur Koordinierung der Tätigkeit auf dem Gebiet des Heilwesens, Kultur und Bildung und auch der wirtschaftlichen Aufgaben aller Sanatorienzentren in dieser Region. PP “Kurort Kolberg” setzte die Mineralwasserabfüllanlage in Betrieb; das aus den Quellen 16A und 16B geschöpfte Wasser bekam das Attest des Labors “Balnoeprojekt” und gewann die goldene Auszeichnung während der ersten Förderungsmesse für Ernährungs- und Erfrischungsgetränke “TARNO92” in Warschau; es handelt sich um Chlorid- Sodawasser mit einer Mineralisierung von 1,6g/l und künstlich gesättigt mit Kohlendioxid.



1999

Seit dem 01.02. wurde das staatliche Unternehmen “Kurort Kolberg” in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Kolberg verzeichnet ständig steigende Besucherzahlen über das ganze Jahr verteilt. Besonders bei den deutschen Kurgästen erfreut man sich wachsender Beliebtheit, da das Preis Leistungsverhältnis stimmt.

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